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Interviews zu Gesundheit und Lebensgefühl

Dr. Klaus Gröber zum Thema Arztzentren

Dr. Klaus Gröber, Hausarzt in BergJeder Arzt will seinen Patienten den optimalen Lösungs­weg zur Gesundung bereiten; nicht immer einfach bei all den Veränderungen im Gesundheitswesen. Sind Arzt­zentren mit gebündelten Kompetenzen die Lösung der Zukunft?

Interview


MediScout.net: Herr Dr. Gröber, die Zahl der medizinischen Versorgungszentren und Ärztezentren wächst beständig. Sterben Hausarztpraxen bald aus?

Dr. Gröber: So schnell stirbt der Beruf des Hausarztes nicht aus. Natürlich geht der Trend dazu, dass Mediziner sich in Zentren zusammen­schließen, das ist beim derzeitigen Gesundheitswesen schon eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Aber Patienten setzen nach wie vor stark auf ihren Hausarzt. Mit dem breiten medizinischen Wissen seiner traditionellen Hausarztausbildung und vor allem durch die oft lang­jährige Arzt-Patienten-Beziehung ist er meist die allererste Anlauf­stelle bei Gesundheits­problemen. Die Beziehung zwischen Patient und Haus- bzw. Leibarzt ist ja menschheits­geschichtlich gewachsen und keine neuzeitliche Erfindung der Krankenkassen.

MediScout.net: Was unterscheidet ein Hausarztzentrum von einem medizinischen Versorgungszentrum?

Dr. Gröber: Soweit ich weiß, gibt es noch kein weiteres Hausarzt­zentrum in der Region. Ich kann also nur für unser Hausarzt­zentrum sprechen. Und wir leisten genau das, was das Wort sagt: hausärztliche Rundum­versorgung. Während MVZs in der Regel einen Zusammen­schluss hoch technisierter Spezialistenpraxen für spezifische Unter­suchungen mit entsprechenden Geräten bieten, gehen wir in hausärzt­licher Tradition gesundheit­lichen Beschwerden ganzheitlich auf den Grund, immer ausgehend von einer sorgfältigen Anamnese und einem umfassenden Gespräch.

MediScout.net: Das kann ein einzelner Hausarzt doch auch, worin liegt der Vorteil eines Zentrums?

Dr. Gröber: Oh, das gibt es einiges, das für den Patienten wichtig ist: Zum einen sind wir ja kein reiner Zweckverbund, sondern Mediziner, die sich in Ihrer Kompetenz und ihrem Wesen lange kennen. Wir kooperieren eng miteinander – im fachlichen Austausch wie auch in der gegenseitigen Vertretung; so ist die hausärztliche Betreuung zu jeder Zeit für unsere Patienten garantiert. Außerdem haben wir durch die individuellen Zusatz-Spezialisierungen aller Kollegen im Haus ein erweitertes Spektrum an Therapie­möglichkeiten, wie z.B. Ernährungs­beratung, Akupunktur, Natur­heilkunde u.v.m., die wir alle unter einem Dach anbieten können.

MediScout.net: Sie sprachen vorhin von den hoch technisierten Geräten der MVZs, setzen Sie keine Geräte ein?

Dr. Gröber: Doch natürlich. Wir sind sogar sehr gut ausgestattet. In unserer verkehrsmedizinischen Praxis sind die Geräte ja auch Voraus­setzung für die vom Gesetzgeber vorgeschriebenen Untersuchungen, beispielsweise für Führerscheinbewerber. Der Hauptunterschied liegt darin, dass Sie dann in ein Medizinisches Versorgungs­zentrum gehen, bzw. überwiesen werden, wenn ganz gezielte Untersuchungen mit spezifischen medizinischen Geräten erforderlich sind. Im Hausarzt­zentrum setzen wir zunächst breiter an. Dabei nutzen wir natürlich auch das Labor, machen EKG- oder Ultraschall-untersuchungen und setzen dann die Befunde in den Zusammenhang der Patientengeschichte. Zeichnet sich aber ab, dass weiterführende Ergebnisse erforderlich sind, arbeiten wir selbstverständlich mit den spezialisierten MVZ-Kollegen zusammen.

MediScout.net: Sie sind also kein Technikfeind?

Dr. Gröber: Absolut nicht. Der technische Fortschritt in der Medizin ermöglicht uns heute weit genauere Befunde und damit eine deutlich längere Lebenserwartung. Dennoch bin ich überzeugt, dass das ausführliche Gespräch mit dem Patienten, das aufmerksame Zuhören und Begreifen der Zusammenhänge nach wie vor das A&O in der Diagnostik sind. Diese Tradition würden wir in unserem Zentrum gerne jüngeren Kollegen als Weiterbildungsassistenten vermitteln.

MediScout.net: Wenn es jetzt bald viele weitere Hausarztzentren gibt, dann ist das...?

Dr. Gröber: Großartig. Ich sehe in dieser Form sowohl für Patienten wie Ärzte einen guten Zukunftsweg. Kleine Hausarztpraxen werden es allein sehr schwer haben und Patienten profitieren von einer sicheren und breit aufgestellten Betreuung.

MediScout.net: Sie sind jetzt fünfundsechzig, da machen andere es sich gemütlich. Warum jetzt ein neuer Start?

Dr. Gröber: Ich habe in meinen neun Jahren als Landtagsabgeordneter in zahlreichen sozialmedizinischen und gesundheitspolitischen Ausschüssen hinreichend Gelegenheit gehabt zu sehen, wohin das Gesundheits-wesen driftet und auch davor gewarnt. Mit unserem Hausarztzentrum realisiere ich jetzt eine Lösung, wie ich sie mir für Patienten und Mediziner immer gewünscht habe. Wir leben im Hausarztzentrum das, was für die ganze Gesellschaft wünschenswert ist: Jung und Alt als Kollegen zusammen. Beide Seiten profitieren voneinander: Erfahrung, über die Jahre angesammelte Erkenntnisse einerseits, frisches Wissen, Denken und Tatendrang andererseits – die Kombination tut uns gut und vor allem unseren Patienten.

MediScout.net: Herr Dr. Gröber, vielen Dank für das Gespräch.

Dr. Klaus Gröber, Berg

Zur Person

Dr. Klaus Gröber ist Facharzt für Allgemeinmedizin in Berg und Arzt für Arzt für Betriebs-, Verkehrs- und Umweltmedizin.
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